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Ein Leben in Finsternis?

Im Pflanzenschauhaus des Luisenparks Mannheim gibt es einen Bereich, in dem Schlangen und Echsen gehalten werden. Unter anderem leben dort zur Zeit auch drei Gelbe Anakondas, auch Paraguay-Anakonda genannt, bei denen ich immer wieder mal vorbei schaue, wenn ich im Park bin.
Als ich am 23.12.2006 das Pflanzenschauhaus mit seinen tropischen Temperaturen aufsuchte und zum Becken der Anakondas ging, bekam ich einen ziemlichen Schreck.

 

04-061223-066-blinde-anakonda Eine der Anakondas ist ein ausgewachsenes Weibchen, das ungefähr 3,5 m lang ist und einen gewaltigen Umfang hat. Ihre Augen waren vollständig trüb und ihre Haut ganz fahl. Ich war der festen Überzeugung, dass sie binnen weniger Wochen vollständig erblindet sein muss. Als sie durch das Becken glitt, stieß sie auch immer wieder mit dem Kopf an. Sie konnte also nichts sehen. Sie tat mir richtig leid.

Weil ich nun mal gar keine Ahnung von Schlangen habe, nur einen – um es gelinde auszudrücken – gehörigen Respekt vor ihnen, ging ich im Internet auf die Suche, was denn mit ihr passiert sein konnte. Alle Beiträge in Foren über blinde Schlangen gaben keinen genauen Aufschluss, da man der Schlange angeblich nicht direkt ansieht, dass sie blind ist, weil ihre Augen auch dann in der Regel ganz klar sind. Erst als ich in Beiträgen zu Häutungsproblemen gelesen habe, dass sich die Haut über den Augen manchmal nicht löst, ging mir ein Licht auf.
01-050709-gelbe-anakonda Sie stand letztes Jahr im Dezember ganz einfach kurz vor der Häutung und ganz offensichtlich häutet sich auch das Auge. Daher war auch ihre Haut ganz fahl, die sonst immer recht kräftig goldgelb/schwarz gemustert ist. Bei Wikipedia konnte ich nachlesen, dass das lidlose Auge von Schlangen zum Schutz durch eine ganz eigene Schuppe bedeckt wird.
Bei meinem nächsten Besuch der Schlangen einige Monate später, sah diese Anakonda auch wieder normal aus, wie auf dieser Aufnahme, die ich im Sommer 2005 gemacht habe.

03-050910-019-anakonda-baum1 Hier eine Aufnahme des Partners der weiblichen Anakonda. Männliche Exemplare sind um einiges kleiner als die Weibchen. Dieser Bock (eine seltsame Bezeichnung für eine Schlange) war etwa 2,5 m lang. Die beiden Anakodas hatten ein inniges Verhältnis und man sah sie meist eng aneinander geschmiegt im Wasserbecken liegen. Gegen Ende 2005 hatte er ein hühnereigroßes Geschwür am Hals, das ihn sehr zu stören schien. Immer wieder drückte er sich damit an den Fels im Terrarium und in enge Spalten. Anfang 2006 war er dann nicht mehr da. Vermutlich war er gestorben oder eingeschläfert worden. Normalerweise kann die Gelbe Anakonda bis zu 30 Jahre alt werden.

05-060104-024-junge-anakonda2 Statt dessen waren nun 2 ganz junge Anakondas im Terrarium. Die beiden Jungtiere sind wesentlich kleiner und nur ca. 1,00 m lang. Vielleicht sind es ja auch ihre eigenen Jungen, aber das kann ich nur mutmaßen. Anakondas werden lebend geboren (ovovivipar), das heißt die Jungen schlüpfen noch im Mutterleib aus dem Ei. 15 bis 40 Jungtiere kommen so auf einmal zur Welt. Sie sind bei der Geburt etwa 55 bis 75 cm lang. Während der 6 bis 8 monatigen Trächtigkeit nimmt das Weibchen keine Nahrung zu sich.

Für alle, die noch mehr über Anakondas erfahren möchten, hier einige Linktipps:
Viel wissenswertes über die verschiedenen Anakondaarten kann man auf der sehr ausführlichen Website des Anakonda Forschers Dr. Lutz Dirksen (anakondas.de) nachlesen.
Auch die Website amazonas.de gibt einigen Aufschluss über die Anakondas. Hier kann man sich z.B. Videos über diese kräftigen Riesenschlangen und ihr Leben in freier Wildbahn anschauen.

Etliche Fotos von weiteren Riesenschlangen sind in meiner » Galerie Riesenschlangen zu sehen.

Weiterer Beitrag über Schlangen, bzw. meine Phobie vor ihnen » Titelbild als Therapie

4 Kommentare

  1. Die Fotos sind richtig klasse! Man könnte fast meinen du hättest direkt neben denen geschwommen. Wie weit weg warst du? Und sind die Bilder durch eine Scheibe fotografiert?

    Ich wusste gar nicht, dass bei Anakondas sich auch die Augen häuten! Das ist schon sehr erstaunlich!

  2. Hallo Mandy,
    klar sind die Aufnahmen durch die Scheibe gemacht. Habe das Makroobjektiv direkt auf die Scheibe aufgelegt um störende Spiegelungen zu minimieren. In freier Wildbahn könnte ich solche Aufnahmen niemals machen und schon gar nicht nebenher schwimmen. Anakondas sind auch für den Menschen lebensgefährlich.

    Liebe Grüße
    Helga

  3. ich find die bilder wirklich klasse,weil es sehr schöne tiere sind und sehr faszinierend!!
    hab mir vor kurzen erst eine gelbe anakonda gehollt!!

    mfg susi

  4. Hallo Susann,
    Glückwunsch zu deiner Anakonda!
    Unter den Schlangen gefallen mir Anakondas auch am besten. :-)
    Ich hoffe du kennst dich gut aus und mutest dir nicht zu viel zu.
    Ein Schlangenexperte aus dem Gifttierhaus Eimsheim hat mir mal erzählt, dass Anakondas sehr schwer zu halten sind allein durch das sehr große Becken und die besonderen Bedingungen, die man für ihr Wohlergehen schaffen muss. Auch ist es nahezu unmöglich Anakondas zu handzahmzu bekommen und ihr Vertrauen zu gewinnen, ihre enormen Kräfte sollte man nicht unterschätzen.
    Aber das weißt du ja sicherlich alles längst; drum bleibt mir nur noch, dir viel Freude mit deiner Anakonda zu wünschen :-)

    LG Helga

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