Manchmal muss man erst durch ein Traum wachgerüttelt werden, so schien es zumindest bei meinem Libellentraum von Freitag Nacht gewesen zu sein. Ohne diesen Traum wäre ich am Sonntag vielleicht nicht an diesem schönen Libellenteich in Münster gelandet. Aber nun mal der Reihe nach…
Ich träumte – völlig abstrus – eine große Libelle flattere wie wild vor meinem Fenster und ich dachte zuerst, sie versuche sich aus einem Spinnennetz zu befreien. Aber als ich das Fenster öffnete um ihr zu helfen, flatterte sie schnurstracks ins Zimmer, drehte eine schnelle Runde, schnappte sich einen Blumentopf mit einer Grünpflanze und wollte wieder nach draußen fliegen. Völlig perplex sprang ich ihr nach. “Der ist doch viel zu schwer für dich. Wo willst du denn damit hin?” Aber weg war sie.
Als ich dann wach wurde und über diesen völlig hirnverbrannten Traum nachdachte, wurde mir klar, das müssen Entzugserscheinungen sein. Seit Wochen war ich nicht mehr durch die Natur gestreift und hatte keine Makros mehr gemacht. Es war wohl höchste Zeit das zu ändern.
Der Sonntag sollte seinem Namen alle Ehre machen und es war ein Ausflug nach Münster (Hessen) geplant, wo meine Freundin Brigitte ein tolles neues Gebiet entdeckt hatte. Was soll ich sagen, es wurde ein herrlicher Ausflug und ich durfte Libellen satt erleben.
Am Morgen widmeten wir uns ausgiebig dem Schmetterlingshügel – so hat Brigitte eine Erhebung in dem Gebiet getauft, weil es dort so viele Schmetterlinge gibt. Nicht nur Schmetterlinge auch einige wunderschöne Käfer, die ich noch nicht kannte, und eine Wespenart mit knallgelben Augen haben wir dort gesehen. (Dazu vielleicht später mehr, ich muss die Tierchen erst noch identifizieren).
Nach einer köstlichen Stärkung bei einem sehr guten Italiener in Münster fuhren wir nochmal zu dem Gebiet, aber diesmal auf die andere Seite an einen Teich an dem es besonders viele Libellen geben sollte.
Brigitte hatte nicht übertrieben, es wimmelte nur so von Libellen. Das war ein fantastischer Anblick. Über dem Teich schwirrten Unmengen von ihnen in allen Farben und Größen. Auch ringsum auf den Wiesen konnte man jede Menge davon beobachten. Ich konnte mich gar nicht satt sehen und meine Kamera auch nicht.
Doch dann ein kleiner Schock… da schwamm etwas im Wasser – ziemlich schnell, zu schnell für einen Frosch – es war eine Ringelnatter… ich hatte meine erste frei lebende Schlange gesehen. Ich sprang erst einmal auf von meinem gemütlichen Beobachtungsposten im Gras am Rande des Teichs. Denn mir fiel ein, die “gehen” ja auch an Land, wo eine ist, können auch noch mehr sein. Meine unbekümmerte Freude war vorerst getrübt und ich stakste nun sehr vorsichtig weiter, den Blick immer am Boden. Meine Schlangephobie war mir in die Quere gekommen, ausgerechnet jetzt, mitten im höchsten Genuss herrlich bunten Treibens. (Mehr zu meiner diffusen Angst vor Schlangen und wie ich versuche sie zu bekämpfen im Beitrag “Titelbild als Therapie“)
Vorsichtshalber begab ich mich in den abgemähten Teil der Wiese, weil man dort den Boden besser überblicken konnte. So lag der Teich im Gegenlicht – auch ein toller Anblick – das Wasser glitzerte so schön und die schwirrenden Libellen über dem Teich wirkten wie bunte Edelsteine. So legte sich mein Unwohlsein schnell wieder, aber in den hoch bewachsenen Bereich des Ufers wagte ich mich trotzdem nicht mehr.
Auch auf einer nahe gelegenen Wiese konnte ich einige interessante Libellen-Exemplare beobachten und aufnehmen, z.B. eine Feuerlibelle – die erste die ich je gesehen habe. Allerdings saß Sie nicht so ideal, umgebende Halme machten es unmöglich, sie aus einem idealen Winkel aufzunehmen. So konnte ich weitgehend nur den Kopf in die Schärfeebene bekommen.
Auch zwei Raubfliegen bei der Paarung konnte ich beobachten. Ich hatte solch große Exemplare noch nie gesehen. Sie wirkten wie eine Kreuzung aus Fliege und Libelle so einen langen Hinterleib hatten Sie. Witzig, wie das Männchen sich dabei an den Augen des Weibchens festhält.
Inzwischen ist dieses Raubfliegenpärchen identifiziert. Es sind zwei Barbarossa Fliegen (Eutolmus rufibarbis). Danke an Danny Wolff, den Betreiber der Site asilidae.de für die genaue Bestimmung der Beiden.
Obwohl ich vieles, was ich beobachtet habe, nicht auf Chip bannen konnte, so war es doch ein sehr gelungener “Makro”-Tag den ich in vollen Zügen genossen habe. Danke Brigitte, dass du mich in dieses tolle Gebiet entführt hast
Weiterer Beitrag über Libellen: » Libellen sind freundlich
Alle Libellenfotos dieses Tages und weiter (ältere) Bilder dieser edlen Geschöpfe gibt es in der » Galerie Libellen zu sehen.
Liebe Helga,
als erstes möchte ich dir zu dieser Idee und der Ausführung dieser tollen und informativen Seiten gratulieren.
Der Libellentraum war, wie du selbst schreibst, sicher eine Entzugserscheinung…..denn für mich bist du unter uns Fotografen die Makrospezialisten schlechthin und da jetzt die Libellenzeit ist, war klar, daß du davon träumen mußtest.
Ja, der Tag in den Hergershäuser Wiesen bei Münster, war so ganz nach unserem Geschmack und ich freue mich, daß es dir so gut gefallen hat.
Für mich ist das ein Gebiet, in dem ich mit Vorliebe umherstreife, besonders auch zur Schmetterlingszeit.
Ich wünsche dir weiterhin viel Spaß beim bloggen und bin auf weitere interessante Beiträge jetzt schon gespannt.
Liebe Grüße von Brigitte
Danke Brigitte für deine lieben Worte. In dem Gebiet waren wir sicherlich nicht das letzte Mal
Liebe Grüße
Helga